++ photographische arbeiten
Vom Augenblick
Zwei kleine Häuschen, eines dunkel, das andere hell, auf einem abgetretenen, von Grashalmen durchbrochenen Boden stehend. Sie wenden uns ihre Rücken zu, zeigen lediglich die Teerpappe ihrer Dächer her, den Verlauf der kleinen Holzbretter und angenagten Leisten, aus denen sie gezimmert sind. Hinter ihnen deutet sich etwas Größeres an, es muss die einfache Blechwand eines Wohncontainers sein. Von rechts nach links zieht sie sich über das Bild, in ihr eingelassen ein Fenster. Von dessen Rahmen ist die Farbe abgesplittert, die Gardine im Inneren erinnert an Vergangenes.
Scheinbar einfach und schnell lassen sich die Fotografien von Heiko Krause überblicken, sind sie doch streng und exakt gebaut. Es ist nicht viel, was wir darauf sehen und fast immer kommen sie ohne Menschen aus. Wenn diese dann doch einmal auftauchen, kehren sie uns einfach den Rücken zu, wir sehen sie vielleicht nur durch einen Spiegel, das Format nimmt ihnen ihre Identität oder sie werden so geschickt in die Komposition eingeflochten, dass wir sie erst auf den zweiten Blick wahrnehmen. Es sind vielmehr die abgebildeten Dinge, die hier über die Menschen zu erzählen beginnen. Unverstellt und schnörkellos stehen sie uns gegenüber. Ihr Geheimnis verraten sie nur in einer intensiven, verweilenden Betrachtung. Dann offenbart sich auch das Besondere dieser fotografischen Arbeiten.
Die Übersetzung des Gesehenen in das Medium der Schwarz-Weiss-Fotografie wird zur Möglichkeit, uns an der Schönheit und Absurdität des jeweiligen Momentes teilhaben zu lassen. Die Konzentration mit der sich Heiko Krause dem Fotografieren und seinen Motiven widmet, wird nachfühlbar. Die Aufnahmen verwandeln sich damit in unmittelbare Zeugen manchmal schnell vergehender, manchmal länger weilender aber stets bestimmter Augenblicke. Wie lange diese sichtbar waren, vermag nur der Fotograf selbst zu erinnern. Klar ist jedoch, dass er diese vergangenen Momente mit einem feinen Gespür für Stimmungen und einem sensiblen Blick auf die Welt erneut, und das für einen längeren Zeitraum, erfahrbar macht.
Tanja Vietzke